Donnerstag, 31. Juli 2008

Touris auf Reisen - Teil II

So, nach langer, langer Zeit kommt hier endlich der zweite Teil des Berichts über Jos Aufenthalt hier:
Während der Woche waren wir meist in San Luis, tagsüber viel am Institut oder die letzte Woche auch mal in der Stadt. Abends waren wir entweder am Institut, waren aus oder haben zu Hause am Küchentisch gesessen und geschnuddelt. Zwei Mal waren wir Billard spielen. Das erste Mal nach dem Tanzkurs mit Sosa und Pedro. Die Leute in der Kneipe haben uns angeguckt wie Aliens (wir hatten ja noch unsere Kleider von der Tanzstunde an). Beim zweiten Mal waren wir dann mit 'nem recht lustigen internationalen Grüppchen weg, was in diesem Fall heißt, dass zusätzlich zu Jorge, Pily und Pedro (Mexikaner) und Jo und mir (Deutsche) war nämlich auch noch Peter mit (aus den USA und hier zu sowas wie ner Summerschool). Lustig, vor allem die Sprachverteilung.


An diesem Abend waren wir nach dem Billardspielen auch das erste Mal im La Santa. Das ist eine ganz tolle Rock-Kneipe gefunden, die ihre Gäste mit guter Musik und leckerem Baileys-Cocktail versorgt. An diesem Abend war 2:1 Aktion für Cocktails. Sehr lustiger Abend :)


Das letzte Wochenende von Johannas Aufenthalt sind wir dann nochmal gereist. Eigentlich wollten wir Samstag morgen nach Zacatecas, aber da es Freitag abend doch reichlich spät geworden war, war es letztendlich abend bis wir endlich losgekommen sind und nacht bis wir in Zacatecas waren, wo wir den Sonntag verbracht haben. Zacatecas ist eine wunderschöne Stadt, sogar noch schöner als Guanajuato, zumindest meiner Meinung nach. Jo sieht das etwas anders, aber sie ist sowieso eher der Dorf- während ich eher der Stadtfan bin. Nach dem Aufstehen sind haben wir unser Zeug gepackt und es in dem Hotel im Abstellraum eingelagert und haben uns auf den Weg gemacht. Den Abend vorher hatten wir schon ein bisschen die Stadt erkundet. Da es Samstag abend war, war einiges los gewesen. Auch einige merkwürdige Gestalten liefen darum. Als wir am Abend aus dem Hotel traten, wurden wir von zwei jungen Männern angesprochen, ob wir auch nicht von hier wären. Sie waren auch Touris und auf der Suche nach einer Kneipe. Es war offensichtlich, dass die beiden in diesem speziellen Fall auf der Suche nach Begleitung für ihre Suche waren, denn um in Zacatecas an einem Samstagabend eine Kneipe zu finden, muss man niemanden fragen. Aber die beiden waren immer noch sympatischer, als der Typ, der angeblich aus den Staaten kam und unbedingt mit uns irgendwohin ausgehen wollte. Er würde auch alles bezahlen. Ich glaub jawohl, der spinnt! Aber egal, die Atmosphäre war jedenfalls super und wir sind auch einige Zeit darumgelaufen bis wir dann hundemüde ins Bett gefallen sind. Das hundemüde war bei dem Reinlichkeitszustand des Betts auch dringend nötig. Wir haben dann wenigstens unsere Reisedecken um die Kopfkissen gewickelt. Brrr...
Also wie gesagt: Am nächsten Morgen sind wir dann los und haben an der Ecke Käseküchlein und Brot gekauft. Dann noch ein paar weitere Leckereien, etwas Obst, Kaffee, Milch und haben uns dann auf einer Bank in der Mitte eines Platzes zum Frühstücken niedergelassen. Sandalen ausgezogen, gefrühstückt und die Sonne genossen. Herrlich.


Danach haben wir uns dann auf Erkundungstour gemacht, sind losgezogen und haben z.B. die Markthalle gefunden, wo es einen Gebrauchtwarenhändler mit Taschenuhren und einigen Kameras gab und Leute, die Schwätzchen halten wollten (z.B. darüber wie toll doch Mexiko sei und dass wir respektive ich doch auch den Rest meiner Familie hierherholen solle) und frischgepressten Saft in Tüten gab. Also Tüten heißt in diesem Fall nicht Tetrapack, sondern Plastiktüten. Das hatte ich schon fast vergessen. Letztes Jahr war das noch viel weiter verbreitet, Getränke zum Mitnehmen einfach in Plastiktüten zu füllen und einen Strohhalm reinzustecken. Mittlerweile haben auch hier vielerorts die Plastikbecher Einzug gehalten.


Mittags haben wir dann auf Empfehlung von Abraham hin bei Donna Julia, einem Restaurant direkt am Platz mit dem Brunnenwahrzeichen Zacatecas, Gorditas, zu deutsch Dickerchen gegessen. Die heißen so, da sie gefüllt werden. Und wir haben uns mit 11 Gorditas einmal durch fast die komplette Karte gefuttert... und waren soooo pappsatt hinterher.



Dann sind wir noch weiter in Zacatecas rumgelaufen. Wir haben ganz viel Souvenirs geguckt an diesem Tag. Silberschmuck und Dinge generell. In der alten Markthalle waren wir auch, allerdings hatten dort ganz viele Läden geschlossen, es war ja Sonntag und das hatten wir vorher nicht bedacht. Und dann wollten wir hoch zum Cierra Bufa um uns dort den Sonnenuntergang anzugucken. Und hinfahren wollten wir mit dem Teleferico. Als wir dann allerdings nach einigem Treppensteigen (wie sich später herausstellen wird, stand dieses Wochenende ganz im Zeichen des Treppensteigens) an der Station angekommen war, war diese trotz einer gegenteiligen Information auf einem Schild nicht mehr in Betrieb. So konnten wir zwar den Ausblick über die Stadt genießen, der Cierra Bufa war allerdings immernoch in weiter Ferne und mittlerweile war schon fast Sonnenuntergang.
Wir sind dann wieder in die Stadt runtergestiegen und haben uns dort ein Taxi geschappt, das uns dann hoch zum Cierra Bufa gebracht hat. Dort gibt es 3 Reiterdenkmäle und eine Kirche. Wenn man an der Kirche entlanggeht, kommt man zum Fußgängerauf- bzw. abstieg und dort ist ein kleiner Vorsprung. Dort kann man sitzen und hat die Treppe vor bzw. unter sich, eine Wand und die Kirche hinter und eine Wand links von sich. Und den Panoramablick über die Stadt direkt vor der Nase. Und dort haben wir uns dann niedergelassen auf den wunderbar warmen Steinen und haben gepicknickt. Herrlich. Und romantisch. *seufz* Und dann wurde es dunkel und wir hatten einen Paroramablick über die Stadt bei Nacht mit gaaaaanz vielen Lichtern.


Und dann sind wir irgendwann herabgestiegen, sind durch dunkle Straßen und Gassen gewandert (unsere mexikanischen Freunde würden sich die Haare raufen) und sind zur Herberge um dort unser Zeug aufzulesen und umzupacken.
Und dann haben wir den Nachtbus nach Leon bzw. nach Guanajuato genommen (in Leon sind wir bloß umgestiegen). Montag waren wir dann in Guanajuatao. Dort waren wir erstmal in der Markthalle, die zu dieser Zeit noch ziemlich zu war, aber wenigstens konnten wir oben frühstücken. Jo hatte süße Tamales und Atole und ich bin losgezogen um mir Obst zu suchen. Allerdings waren um diese Zeit noch nicht allzuviele Stände geöffnet und der einzige mit Obst war noch am vorbereiten. Also musste ich mich dann wohl mit süßem Brot und einem Küsschen begnügen. Küsschen bzw. Besito ist der Name für ein Gebäckstück, dass aus zwei Teilen besteht, die mit Marmelade zusammengeklebt sind. Und verkauft hat es mir ein älterer Herr (man möchte fast sagen Opa), der als ich ein Teil kaufen wollte (sie waren auseinandergefallen), meinte, dass sie zusammengehörten und ich sollte beide nehmen, das sei ein Besito. Und dabei hat er mich furchtbar niedlich angelacht :) . Okay, dann also süßes Brot, Kaffee und auch eine süße Tamales für mich. Und dann sind wir herumgelaufen, waren HUNDEMÜDE und es war unheimlich warm den Tag und die Sonne hat einfach nur so vom Himmel gebrannt. Und dann die ganze Berglauferei. Auch Guanajuato liegt in den Bergen und wie schon gesagt sollte sich dieses Wochenende als das Wochenende des Treppensteigens herausstellen. Erst sind wir ein bisschen so darumgelaufen, haben uns ein bisschen die Innenstadt und natürlich auch mal wieder die Uni angeschaut und Fotos gemacht. Und dann wollten wir uns einen ruhigen Park mit einem schattigen Plätzchen zum schlafen suchen. Mhm, also sind wir mit der Standbahn zum Pipila hochgefahren, weil es so aussah, als wäre es dort schön grün. Aber Pustekuchen, bloß nochmehr Sonne. Glücklicherweise hatten wir beide unsere Rebozos dabei (ich hatte den Tag zuvor einen in Zacatecas gekauft, weil es auf dem Berg so kalt war) und die helfen ja bekanntlich auch gegen Sonne. Rebozos sind sowieso die Allheilmittel für alle Arten von Wetter. Was haben wir denn dann gemacht? Sind wieder hinabgestiegen, weiter darumgelaufen und dann mit dem Bus Richtung Silbermine gefahren. Denn auf dem Weg dorthin liegt auf ein Markt, auf dem Silber verkauft wird und Jo meinte sich zu erinnern, dass es dort auch recht günstig gewesen wäre. Sie sollte Recht behalten. Also haben wir dort dann erstmal die Geschäfte und den Markt auf Suche nach Silberschmuck abgesucht (Guanajuato gehört zusammen mit Zacatecas zu den wichtigsten Silberstädten Mexikos). Auf dem Rückweg haben wir einen Stand gesehen, wo ganz viele Becher mit Grenadine verkauft wurden und haben ein Foto geschossen, extra für Peter, der ganz verrückt nach Grenadine ist.


Und abends um 18 Uhr sind wir nach Mexiko-Stadt weitergefahren. Als wir am Bahnsteig ankamen, war zwar unser Bus schon da, aber einsteigen durften wir noch nicht. Und da wir hundemüde und hungrig waren, haben wir uns dann mitten auf den Bussteig gesetzt, haben den Bus belagert und gefuttert, sehr zur Belustigung der beiden jungen Männer, die noch im Bus gearbeitet haben und uns betrachtet haben. Und das wurden dann immer mehr :)


Wir waren so müde, dass wir fast die ganze Busfahrt (5 Stunden) verschlafen haben und danach in dem Hostal in Mexiko-Stadt nochmal 9 Stunden. Tja, und dann war ja auch schon Dienstag und Jos letzter Tag, den wir noch ein bisschen zum Souvenir-Shoppen genutzt haben. Wir sind also in der Stadt rumgelaufen und waren noch mal auf dem Mercado de Artesanias, wo Jo jede Menge Flieschen (kleine Fliesen um damit z.B. einen Spiegelrahmen zu umrunden) gekauft hat. Und abends hab ich sie dann zum Flughafen gebracht und bin selbst nach SLP zurückgefahren. Und diese Wochen hab ich dann endlich mal wieder vernünftig gearbeitet und hab wieder angefangen, mehr Sport zu machen. Donnerstag und Freitag bin ich um 6.30 Uhr aufgestanden um mit Tere (bei der ich ja wohne) in den Tangamanga-Park zu fahren und dort zu joggen. Danach Frühstück in der Morgensonne im Garten, herrlich.
Liebe Grüße, eure Jessi

Touris auf Reisen - Teil I

Hallo,
scheint, dass ich heute mal ein bisschen Zeit und Lust hab zu berichten. Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich schon viel zu lange nichts mehr wirklich geschrieben habe. Als Jo hier war, hatte ich halt einfach nicht soviel Zeit und Muße. Da ich euch diese Zeite jedoch nicht vorenthalten möchte und auch diesbezüglich schon ein bisschen gemailt hab, nehme ich einfach diese Mail und modifizier sie ein bisschen, die betreffenden Leute mögen mir verzeihen, dass für sie dieser Post wahrscheinlich nur unwesentlich Neues enthält. Also: Was haben wir gemacht? Da das ganz schön viel ist, versuch ich das mal ein bisschen zu gliedern.

Erstmal der Rahmen
Wie man ja schon zuvor lesen konnte, ist Jo Mittwoch angekommen und (wie man noch nicht lesen konnte) vorletzte Woche Dienstag wieder abgereist. Die meiste Zeit waren wir in SLP, haben allerdings am Wochenende Ausflüge gemacht nach Huasteca, Zacatecas und Guanajuato.
Ich hab sie am Mittwoch am Flughafen abgeholt (das Chaos hatte ich ja schon geschildert) und wir haben den Rest der Woche in Mexiko-Stadt verbracht. Um ehrlich zu sein, fällt es mir tatsächlich gerade unglaublich schwer, zu rekonstruieren, was wir alles gemacht haben und vor allem wann. Auf jeden Fall haben wir gesehen: den Markt, das Blaue Haus, den Chapultepec-Park, das Antropologische Museum (inklusive den Voladores davor), die ganzen U-Bahn-Stationen, in denen es was zu sehen gibt... Herrje, ich schau mir nochmal die Fotos an und erzähl diesen Teil dann. Jedenfalls sind wir die Nacht von Samstag auf Sonntag nach SLP zurückgefahren, damit ich am Sonntag (!) ins Labor gehen und meine Ultrabeschallung der Nanoröhrchen fertig machen konnte, d.h. den Sonntag waren wir dann den ganzen Tag am Institut.

Sonntag: Arbeit im Labor
Jo hat mir im Labor Gesellschaft geleistet und das war eigentlich ganz lustig. Ich glaube, Pedro war auch mal da und wir haben dann alle zusammen ein bisschen rumgeblödelt. Ich musste halt jede Stunde runter um das Wasser zu wechseln, die Uhren neu zu stellen und Fotos zu machen. Abends waren Jo und ich in La Fragua essen (die Tacoeria bei mir um die Ecke) und danach sind wir ans Institut zurück. Jo hat mir noch ein bisschen Gesellschaft geleistet, ist dann aber auch irgendwann heim und ich bin die Nacht mehr oder weniger im Institut geblieben. Pedro hat mir seinen Schlafsack und seine Gitarre geliehen und ich hab ein bisschen Gitarre gespielt und mich dann irgendwann bei offener Tür (es war brütend heiß), laufender Musik und brennendem Licht hinter Jaimes Schreibtisch auf Pedros Schlafsack gelegt um ein bisschen zu schlafen. Wach geworden bin ich durch Jaime, der morgens um sieben reinkam um Material für eine Besprechung mit seinem Betreuer an der Universität zu holen. Ich hätte sonstwas dafür gegeben, sein Gesicht zu sehen. Stell dir mal vor: Du kommst morgens in dein Büro, erwartest keine Menschenseele und findest eine sperrangelweit offene Tür, laufende Musik, brennendes Licht und ein paar Beine, die hinter deinem Schreibtisch rausgucken und die, wie du dann feststellst nochnichtmal zu einem deiner Bürokollegen gehören. *gg* Naja, irgendwann war auch diese verdammte 24h-Sonication rum... Mir hat dann im Nachhinein jd. gesagt, dass man die Ultraschallbäder auch auf Dauerbetrieb stellen kann... *grmpf*. Naja, aber ab und zu hätte ich das Wasser eh wechseln müssen, daher.. was soll's... *schulterzuck*



Der Rest der Woche: mehr Arbeit
Den Rest der Woche hab ich dann auch sonst viel arbeiten müssen, da ich am Freitag eine Besprechung mit Humberto, meinem obersten Boss hatte. Das war soweit ganz okay. Ich selbst war ja mit meinen Ergebnissen nicht so zufrieden, aber Humberto schaute mich nach der Besprechung an: "Du scheinst ja nicht so zufrieden zu sein, aber sei nicht geknickt. Deine Arbeit ist okay, das ist halt Experimentalphysik, da funktionieren 95% der Dinge nicht. Das ist normal. Einfach weitermachen." Das ist doch mal eine coole Aussage für einen Chef, oder? Pedro hat in der Woche für Jo Babysitter gespielt, aber das scheint beide nicht allzu viel gestört zu haben, die haben sich ganz gut vertragen.

Das zweite Wochenende: Huasteca
Das zweite Wochenende waren wir in Huasteca, einer Gegend, die zu 3 Staaten gehört und die für ihre Natur bekannt ist, u.a. für ihre Menge an beeindruckenden Wasserfällen. Ach ja: und für ihren Regen. Falls ihr vor ca. 2 Wochen im Fernsehen Bilder der Überschwemmungen in Mexiko gesehen habt, habt ihr gute Chancen, dass sie Huasteca zeigen (falls nicht Veracruz). U.a. waren Überschwemmungen in Xilitla und Cd. Valles, wo wir waren und wo es zu dieser Zeit schon ziemlich nass war. Wir sind von Cd. Valles aus mit dem Bus nach Tamasopo gefahren, was total im Hinterland liegt (allein die Busfahrt selbst lohnt schon den Weg, *cool*) und auf dem Weg dorthin musste unser Bus einmal fast schwimmen. Er hat dann angehalten, weil das Wasser so hoch war und die Menschen, die am Straßenrand standen, fingen an zu grölen. Währenddessen standen in einem Garten neben der Straße Menschen hüfthoch im Wasser.


Wir sind auch das ganze Wochenende über ordentlich nass geworden. Schon beim Aufstehen morgens waren die Sachen feucht, fast schon nass. Aber der Trip an sich war ziemlich cool, auch wenn ich lange nicht mehr soviel im Bus gesessen hab. Wir sind los von SLP ohne genau zu wissen, ob wir jetzt nach Huasteca oder nach Zacatecas fahren. Der Plan war Huasteca, aber da wir nicht wussten, ob es dorthin Busse gibt, wäre Plan B Zacatecas gewesen. Well, anyway. Wir sind dann also los von SLP nach Cd. Valles und wollten von dort eigentlich weiter zur Puente de Dios in Tamasopo um dann am gleichen Tag nach Xilitla weiterzufahren, zum Park des Ingles loco Sir Edward. Wir sind dann also in Cd. Valles vom Busbahnhof mit dem Bus zum Zentrum gefahren um dort herauszufinden, dass die "was-auch-immer" dulce dort ganz hervorragend sind :) und dass die Fahrt nach Tamasopo zwei Stunden dauert und daher für diesen Tag nicht in Frage kam. Also haben wir bei tropisch feuchter Hitze und Regen auf den Bus gewartet, der zurück zum Busbahnhof fährt. Dabei wurde ich, als ich meine Jacke auszog von einer Dame angesprochen: Ganz schön warm, oder? Feststellung: Auch in anderen Ländern spricht man übers Wetter. Wir haben uns dann noch kurz unterhalten. Ach ja: Also zurück zum Busbahnhof und von dort aus den Bus nach Xilitla. Ich überlege gerade, ob das der Bus mit dem Einschussloch in der Scheibe war. Ganz sicher bin ich mir nicht, aber das war auf jeden Fall auf dieser Reise. Hier ist das Bild:



Naja, irgendwann sind wir dann auch tatsächlich in Xilitla angekommen und hatten dort die Qual der Wahl zwischen der Übernachtung in Cabannas im Park oder in einem Hostal, dass wir im Werbeabschnitt des Stadtplans gefunden hatten. Wir haben uns dann für das Hostal entschieden, eine gute Entscheidung wie sich herausstellen sollte. Hostal de Cafe, schon der Name klingt ja vielversprechend. Hab dann also dort angerufen, sie hatten auch noch ein Zimmer frei und wir haben uns auf den Weg gemacht... nur dass wir die halbe Stadt abgesucht haben, dabei mehrere Leute nach dem Weg gefragt haben, von mehreren älteren Herren angesprochen wurden (die wir auch die nächsten Tage noch öfters treffen sollten, ganz speziell einer ist uns so oft 'zufällig' über den Weg gelaufen, dass es schon ziemlich creepy war, auch wenn man nicht unter Verfolgungswahn leidet) und trotzdem nichts gefunden haben. Letztendlich hab ich dann nochmal angerufen und nach einer Wegbeschreibung gefragt. Diesmal war ein Herr am Telefon, der auch einen extrem netten Eindruck machte, was schonmal ein gutes Gefühl gab. Wir sind dann weiter die Straße entlang und plötzlich hörte ich Jo von weiter vorne sowas sagen wie: "No, era mi amiga." Da hatte sich doch der gute Mann vom Telefon auf den Weg gemacht um uns entgegenzugehen. Ist das nicht lieb? Jedenfalls war das Hostal oder von mir aus auch das Hotel wunderschön. So schön, dass Johanna spontan eine Planänderung gefordert hat in dem Sinne, dass wir zwei Nächte statt einer in Xilitla bleiben. Nach einigem Hin und Her und touristischen Besprechungen mit unserem Herbergsvater, haben wir uns dann auch dafür entschieden. Aber es war wirklich wunderschön. Man ist oben reingekommen, das war noch nicht so spektakulär. Aber dann ist man die erste Treppe runtergegangen und fand sich wieder in einer Art Aufenthaltsraum mit Couchecke, einer abgetrennten Ecke mit Schreibtisch als Art Rezeption und meterhoch gestapelten Papieren und Zeug (urig gemütlich) und einem Balkon mit Blick auf den Garten, der ziemlich stark an Regenwald erinnert, nur ohne riesige Bäume. Die Zimmer waren Doppelzimmer mit Bad und alle hatten einen Namen und waren dementsprechend gestaltet: Girasoles, Alcatraces, etc. Wir hatten die Wahl zwischen einem Zimmer direkt im Garten und einem Zimmer, zu dem man gelangt, indem man den Balkon nach links überquert. Wir haben uns dann für das Zimmer am Balkon entschieden, dass den Namen Alcatraces trägt, was Lilien bedeuted (ach ja: Girasoles bedeuted Sonnendreher und gemeint sind natürlich die Sonnenblumen. Wobei das spanische Wort weit besser erklärt woher die Sonnenblume ihren Namen hat als es das deutsche tut). Dementsprechend war alles in unserem Zimmer mit Lilien dekoriert: Die Schränke, die Bilder, die Borte der Tapete, im Badezimmer das Waschbecken, die Borte, alles! Aber nicht übertrieben, sondern geschmackvoll und wunderschön! Ich werde mehr Fotos posten :)
Wir sind dann frühabends ein bisschen durch die Stadt gelaufen und haben uns zum Abendessen niedergelassen. Am nächsten Morgen sind wir dann nach dem Aufstehen in die Stadt um ein bisschen zu gucken und uns was zum Frühstücken zu jagen: Zacahuile (=Riesentamales). Das war auch gar nicht so schwer zu finden, Sonntags morgens ist in Xilitla nämlich Markt. Direkt auf der Straße. Cool. Es fing dann natürlich auch wieder an zu regnen oder besser gesagt zu schütten und wir haben uns mampfenderweise untergestellt (sofern man das bei solchem Regen kann).


Den Rest des Tages haben wir dann im Garten des verrückten Engländer verbracht, was einfach nur amazing war: Ein riesengroßer Abenteuerspielplatz mit eigenem Wasserfall, wo man baden kann. So einen Garten will ich auch. IRRE!


Auf dem Rückweg fing es dann an zu regnen und als wir in unserem Hotel ankamen, waren wir tatsächlich nass bis auf die Haut und tropften aus allen Ecken und Enden. Unsere Herbergseltern waren dann so nett, unsere Hosen und Rebozos 'ne Runde in den Trockner zu schmeißen, damit wir für die Busfahrt am nächsten Tag wenigstens einigermaßen trockene Kleidung hatten und uns, damit wir zum Essen gehen konnten, einen Regenschirm zu leihen.


Tja, soweit unsere Erfahrungen zu Xilitla, am nächsten Tag ging es dann zurück nach Cd. Valles und von dort aus weiter nach Tamasopo um dann doch endlich die Puente de Dios zu sehen. Wie gesagt: Allein die Busfahrt war schon ein Erlebnis und das nicht nur, weil die Leute am Straßenrand einen ständig durchs Busfenster angestarrt haben als sei man ein Alien (auch daran gewöhnt man sich mit der Zeit). In Tamasopo haben wir uns dann in Ermangelung von Schirmen zwei Plastiktüten gekauft und uns daraus Regenponchos gebastelt. So ausgestattet ließen wir unser Gepäck am Busbahnhof (wenn man das Ding in Tamasopo so nennen will) und machten uns auf, die Wasserfälle dort anzuschauen. Wiedermal: Beeindruckend! Und es war lustig mit diesen Müllsäcken durch die Gegend zu stapfen :) Auch schön anzuschauen war die überflutete Plantage von Mangobäumen, die schon Früchte trugen. Ein schönes Farbspiel.


Letztendlich sind wir dann aber tatsächlich noch zur Puente de Dios gefahren. Dabei hatten wir echt Glück mit dem Taxifahrer. Und zwar ist es so, dass von Tamasopo aus nur ein Bus nach SLP und das morgens früh. Später gibt es nur noch Busse nach Cd. Valles. Unser Plan war also nach Cd. Valles zu fahren und von dort aus dann nach SLP. Allerdings hat uns unser Taxifahrer, nachdem wir ihm von unserem Plan erzählten, dann mitgeteilt, dass an der Kreuzung von der Hauptstraße nach Tamasopo auch Busse direkt nach SLP halten und der letzte so ca um acht Uhr abends. Also haben wir dann mit ihm ausgemacht, dass er uns bei der Puente de Dios absetzt und uns dort um sieben Uhr abholt um mit uns am Bahnhof vorbeizufahren um unser Gepäck zu holen und uns dann zu dieser Kreuzung fährt. Manchmal muss man halt einfach Glück haben im Leben :) Wir hatten doch noch einige Probleme an der Puente de Dios, da uns die Wächter nicht durchlassen wollten. Nein, zu gefährlich, zu rutschig, ihr seid zu schön um dort unten zu sterben! Kein Witz, so haben sie es ausgedrückt! Naja, letztendlich wollten die beiden sich wohl auch einfach nur ein bisschen Spaß erlauben mit den beiden dummen Europäerinnen.. Jedenfalls sind wir dann doch irgendwann runter und mal wieder: Beeindruckend! Dadurch, dass es die ganze Zeit so stark geregnet hatte, waren die Wasserfälle einfach gigantisch, ein wahres Naturschauspiel.


Wir haben dann als wir wieder oben waren ein Weilchen auf unseren Taxifahrer gewartet, der ja um sieben da sein wollte und haben dann so gegen nach sieben beschlossen uns zu Fuß auf den Rückweg zu machen (mittlerweile hatte es auch wieder angefangen zu regnen, na danke!), damit wir, im Falle, dass er nicht käme, immerhin noch den letzten Bus nach Cd. Valles bekämen. Auf dem Weg haben wir uns dann ein bisschen mit Schimpfen amüsiert. Es macht unglaublich Spaß mit zwei Leuten zu schimpfen und zu meckern, wenn beide wissen, dass er keiner Ernst meint :). Naja, unser Taxifahrer kam uns dann doch noch mit einiger Verspätung auf dem Weg entgegen und zur Strafe haben wir ihm dann ein bisschen sein miefiges Taxi vollgetropft *diabolisches Grinsen*. Letztendlich ist dann auch noch alles glatt gelaufen und wir haben den Bus nach SLP geradenochso erreicht und waren dann so gegen *ich hab keine Ahnung* in SLP. Ein anstrengendes, schönes und sehr, sehr nasses Wochenende.

So, mittlerweile hab ich ca. 1 1/2 Stunden geschrieben, es ist 21.32 Uhr und ich mach mich mal nach Hause. Mein Rad wird wohl noch 'ne Nacht am Institut bleiben müssen, aber auch das ist es ja schön gewöhnt.
Euch allen liebe Grüße und ich meld mich bald wieder,
Jessi

Das sind Zustände, ts ts ts

Hallo,
dieses Institut ist einfach unglaublich. In mancherlei Hinsicht auch eine unglaubliche Katastrophe!
Gestern hatten wir Gewitter mit den typischen Regenzeit-Regenfällen und das halbe Gebäude stand unter Wasser. Ich werde noch ein Foto von der Treppe posten, an der das Wasser herunterläuft.


Aber nicht nur, dass es durch alle Decken tropft und zu den Türen hereinläuft (das Wasser ist tatsächlich zur Terassentür hereingelaufen, quer über den Flur und ist unter einer Bürotür durchgesickert von jemanden, der soweit ich weiß, momentan im Urlaub ist, arme Socke), nein, es lief sogar wasserfallartig (nicht übertrieben) INNEN an meinen GESCHLOSSENEN Bürofenstern runter, unglaublich! Ach ja: Und es lief in mein Netzwerkkabel, dass daraufhin die Nacht damit zubrachte anzuschmoren :( Jetzt hab ich Esaus geklaut, der war heute nicht da. Mal sehen, er hatte zwei darumliegen, vielleicht kann ich das hier behalten.


Ach ja, nachdem der Regen dann endlich mal aufgehört hatte, ist danach das Wasser ausgefallen und erst soeben (ca. 24 h später) zurückgekehrt. Das hat das Arbeiten im Labor heute dann doch etwas erschwert, nicht zu sprechen von den Unannehmlichkeiten, die eine nichtfunktionierende Toilettenspülung bei diesen Temperaturen verursachen kann. Glücklicherweise gab es wenigstens in einem Labor Wasser, was ich dann nach einiger Zeit auch herausgefunden habe. Das half zwar Daniel und Jessica nicht weiter, die eigentlich für die Synthesis Wasserkühlung brauchten und sich dann damit behalften, sich mit der Benutzung des Rücklaufbeckens abzuwechseln, aber wenigstens konnte man runterlaufen, wenn man irgendwelche Glasbehälter zu spülen hatte (wenn sie nicht gerade irgendwelche hochgiftigen Substanzen wie mein Benzylamin enthielten, die man nicht gerade durchs Treppenhaus tragen möchte und die dann auch mal den Nachmittag unterm Abzug verbrachten). Naja, aber jetzt ist das Wasser ja wieder da... Und schon wieder in rauen Mengen. Ich bin mir nicht sicher, ob es in der Zeit, in der ich im Labor war geregnet hat oder ob es irgendwelche undichten Leitungen sind, aber der Flur im zweiten Stock (meinem Stock) steht unübertrieben ca. 1 bis 2 cm tief unter Wasser. Man patscht dort tatsächlich lang.
Aber hier gewöhnt man sich ja an vieles. Im ersten Stock gibt es ein zerbrochenes Fenster, das mittlerweile noch ein paar Risse mehr hat und vor dem ein Pilon steht und ein Schild: Kaputtes Fenster, nicht anlehnen! Das allein wäre ja noch nicht so bedenklich. Bedenklich wird es erst, wenn man weiß, wie dieses Fenster zerbrochen ist: Es wurde zerschlagen von der Fensterscheibe aus dem dritten Stock, die aus dem Fenster fiel, sich mehrmals drehte und dabei die Fensterscheibe des zweiten Stocks erwischte. Natürlich war die Fensterscheibe des dritten Stocks schon eingebaut, also es ist nicht während des Bauens passiert.
Und eine dritte Sache: In den Fensterecken im Flur stehen graue Rohre. Sie sind hässlich und sie dienen keinem offensichtlichen Zweck. Was machen also diese Rohre dort? Ganz einfach: Nachdem das Gebäude fertig gebaut war, stellte man fest, dass sein Gewicht die Fensterscheiben zerbrach und man baute diese Pfeiler zur Unterstützung. Das waren Statiker, mhm?
So, da mir außer ein paar Rissen in den Wänden und der Bemerkung, dass dieses Gebäude erst fünf Jahre alt ist nichts mehr zu diesem Thema einfällt, beende ich diesen Post hiermal mit einer Ode an die mexikanische Baukunst ;)
Liebe Grüße aus einem Land, in dem man tatsächlich Angst haben muss, dass einem die Häuser über dem Kopf zusammenbrechen,
eure Jessi

Freitag, 25. Juli 2008

!Vamos a la playa!

Hallo ihrs,
das schreib ich jetzt nur um euch neidisch zu machen: Ich fahre jetzt nach Sinaloa, Pedro besuchen. Und der wohnt am Strand, d.h. ich werde mein Wochenende am Strand verbringen. Na, neidisch? ;)
Bald im Meer schwimmende Grüße,
Jessi


Das sind die Bilder zum Kommentar: So sahen meine Beine nach dem Wochenende aus. Sexy, oder?