Donnerstag, 31. Juli 2008

Touris auf Reisen - Teil I

Hallo,
scheint, dass ich heute mal ein bisschen Zeit und Lust hab zu berichten. Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich schon viel zu lange nichts mehr wirklich geschrieben habe. Als Jo hier war, hatte ich halt einfach nicht soviel Zeit und Muße. Da ich euch diese Zeite jedoch nicht vorenthalten möchte und auch diesbezüglich schon ein bisschen gemailt hab, nehme ich einfach diese Mail und modifizier sie ein bisschen, die betreffenden Leute mögen mir verzeihen, dass für sie dieser Post wahrscheinlich nur unwesentlich Neues enthält. Also: Was haben wir gemacht? Da das ganz schön viel ist, versuch ich das mal ein bisschen zu gliedern.

Erstmal der Rahmen
Wie man ja schon zuvor lesen konnte, ist Jo Mittwoch angekommen und (wie man noch nicht lesen konnte) vorletzte Woche Dienstag wieder abgereist. Die meiste Zeit waren wir in SLP, haben allerdings am Wochenende Ausflüge gemacht nach Huasteca, Zacatecas und Guanajuato.
Ich hab sie am Mittwoch am Flughafen abgeholt (das Chaos hatte ich ja schon geschildert) und wir haben den Rest der Woche in Mexiko-Stadt verbracht. Um ehrlich zu sein, fällt es mir tatsächlich gerade unglaublich schwer, zu rekonstruieren, was wir alles gemacht haben und vor allem wann. Auf jeden Fall haben wir gesehen: den Markt, das Blaue Haus, den Chapultepec-Park, das Antropologische Museum (inklusive den Voladores davor), die ganzen U-Bahn-Stationen, in denen es was zu sehen gibt... Herrje, ich schau mir nochmal die Fotos an und erzähl diesen Teil dann. Jedenfalls sind wir die Nacht von Samstag auf Sonntag nach SLP zurückgefahren, damit ich am Sonntag (!) ins Labor gehen und meine Ultrabeschallung der Nanoröhrchen fertig machen konnte, d.h. den Sonntag waren wir dann den ganzen Tag am Institut.

Sonntag: Arbeit im Labor
Jo hat mir im Labor Gesellschaft geleistet und das war eigentlich ganz lustig. Ich glaube, Pedro war auch mal da und wir haben dann alle zusammen ein bisschen rumgeblödelt. Ich musste halt jede Stunde runter um das Wasser zu wechseln, die Uhren neu zu stellen und Fotos zu machen. Abends waren Jo und ich in La Fragua essen (die Tacoeria bei mir um die Ecke) und danach sind wir ans Institut zurück. Jo hat mir noch ein bisschen Gesellschaft geleistet, ist dann aber auch irgendwann heim und ich bin die Nacht mehr oder weniger im Institut geblieben. Pedro hat mir seinen Schlafsack und seine Gitarre geliehen und ich hab ein bisschen Gitarre gespielt und mich dann irgendwann bei offener Tür (es war brütend heiß), laufender Musik und brennendem Licht hinter Jaimes Schreibtisch auf Pedros Schlafsack gelegt um ein bisschen zu schlafen. Wach geworden bin ich durch Jaime, der morgens um sieben reinkam um Material für eine Besprechung mit seinem Betreuer an der Universität zu holen. Ich hätte sonstwas dafür gegeben, sein Gesicht zu sehen. Stell dir mal vor: Du kommst morgens in dein Büro, erwartest keine Menschenseele und findest eine sperrangelweit offene Tür, laufende Musik, brennendes Licht und ein paar Beine, die hinter deinem Schreibtisch rausgucken und die, wie du dann feststellst nochnichtmal zu einem deiner Bürokollegen gehören. *gg* Naja, irgendwann war auch diese verdammte 24h-Sonication rum... Mir hat dann im Nachhinein jd. gesagt, dass man die Ultraschallbäder auch auf Dauerbetrieb stellen kann... *grmpf*. Naja, aber ab und zu hätte ich das Wasser eh wechseln müssen, daher.. was soll's... *schulterzuck*



Der Rest der Woche: mehr Arbeit
Den Rest der Woche hab ich dann auch sonst viel arbeiten müssen, da ich am Freitag eine Besprechung mit Humberto, meinem obersten Boss hatte. Das war soweit ganz okay. Ich selbst war ja mit meinen Ergebnissen nicht so zufrieden, aber Humberto schaute mich nach der Besprechung an: "Du scheinst ja nicht so zufrieden zu sein, aber sei nicht geknickt. Deine Arbeit ist okay, das ist halt Experimentalphysik, da funktionieren 95% der Dinge nicht. Das ist normal. Einfach weitermachen." Das ist doch mal eine coole Aussage für einen Chef, oder? Pedro hat in der Woche für Jo Babysitter gespielt, aber das scheint beide nicht allzu viel gestört zu haben, die haben sich ganz gut vertragen.

Das zweite Wochenende: Huasteca
Das zweite Wochenende waren wir in Huasteca, einer Gegend, die zu 3 Staaten gehört und die für ihre Natur bekannt ist, u.a. für ihre Menge an beeindruckenden Wasserfällen. Ach ja: und für ihren Regen. Falls ihr vor ca. 2 Wochen im Fernsehen Bilder der Überschwemmungen in Mexiko gesehen habt, habt ihr gute Chancen, dass sie Huasteca zeigen (falls nicht Veracruz). U.a. waren Überschwemmungen in Xilitla und Cd. Valles, wo wir waren und wo es zu dieser Zeit schon ziemlich nass war. Wir sind von Cd. Valles aus mit dem Bus nach Tamasopo gefahren, was total im Hinterland liegt (allein die Busfahrt selbst lohnt schon den Weg, *cool*) und auf dem Weg dorthin musste unser Bus einmal fast schwimmen. Er hat dann angehalten, weil das Wasser so hoch war und die Menschen, die am Straßenrand standen, fingen an zu grölen. Währenddessen standen in einem Garten neben der Straße Menschen hüfthoch im Wasser.


Wir sind auch das ganze Wochenende über ordentlich nass geworden. Schon beim Aufstehen morgens waren die Sachen feucht, fast schon nass. Aber der Trip an sich war ziemlich cool, auch wenn ich lange nicht mehr soviel im Bus gesessen hab. Wir sind los von SLP ohne genau zu wissen, ob wir jetzt nach Huasteca oder nach Zacatecas fahren. Der Plan war Huasteca, aber da wir nicht wussten, ob es dorthin Busse gibt, wäre Plan B Zacatecas gewesen. Well, anyway. Wir sind dann also los von SLP nach Cd. Valles und wollten von dort eigentlich weiter zur Puente de Dios in Tamasopo um dann am gleichen Tag nach Xilitla weiterzufahren, zum Park des Ingles loco Sir Edward. Wir sind dann also in Cd. Valles vom Busbahnhof mit dem Bus zum Zentrum gefahren um dort herauszufinden, dass die "was-auch-immer" dulce dort ganz hervorragend sind :) und dass die Fahrt nach Tamasopo zwei Stunden dauert und daher für diesen Tag nicht in Frage kam. Also haben wir bei tropisch feuchter Hitze und Regen auf den Bus gewartet, der zurück zum Busbahnhof fährt. Dabei wurde ich, als ich meine Jacke auszog von einer Dame angesprochen: Ganz schön warm, oder? Feststellung: Auch in anderen Ländern spricht man übers Wetter. Wir haben uns dann noch kurz unterhalten. Ach ja: Also zurück zum Busbahnhof und von dort aus den Bus nach Xilitla. Ich überlege gerade, ob das der Bus mit dem Einschussloch in der Scheibe war. Ganz sicher bin ich mir nicht, aber das war auf jeden Fall auf dieser Reise. Hier ist das Bild:



Naja, irgendwann sind wir dann auch tatsächlich in Xilitla angekommen und hatten dort die Qual der Wahl zwischen der Übernachtung in Cabannas im Park oder in einem Hostal, dass wir im Werbeabschnitt des Stadtplans gefunden hatten. Wir haben uns dann für das Hostal entschieden, eine gute Entscheidung wie sich herausstellen sollte. Hostal de Cafe, schon der Name klingt ja vielversprechend. Hab dann also dort angerufen, sie hatten auch noch ein Zimmer frei und wir haben uns auf den Weg gemacht... nur dass wir die halbe Stadt abgesucht haben, dabei mehrere Leute nach dem Weg gefragt haben, von mehreren älteren Herren angesprochen wurden (die wir auch die nächsten Tage noch öfters treffen sollten, ganz speziell einer ist uns so oft 'zufällig' über den Weg gelaufen, dass es schon ziemlich creepy war, auch wenn man nicht unter Verfolgungswahn leidet) und trotzdem nichts gefunden haben. Letztendlich hab ich dann nochmal angerufen und nach einer Wegbeschreibung gefragt. Diesmal war ein Herr am Telefon, der auch einen extrem netten Eindruck machte, was schonmal ein gutes Gefühl gab. Wir sind dann weiter die Straße entlang und plötzlich hörte ich Jo von weiter vorne sowas sagen wie: "No, era mi amiga." Da hatte sich doch der gute Mann vom Telefon auf den Weg gemacht um uns entgegenzugehen. Ist das nicht lieb? Jedenfalls war das Hostal oder von mir aus auch das Hotel wunderschön. So schön, dass Johanna spontan eine Planänderung gefordert hat in dem Sinne, dass wir zwei Nächte statt einer in Xilitla bleiben. Nach einigem Hin und Her und touristischen Besprechungen mit unserem Herbergsvater, haben wir uns dann auch dafür entschieden. Aber es war wirklich wunderschön. Man ist oben reingekommen, das war noch nicht so spektakulär. Aber dann ist man die erste Treppe runtergegangen und fand sich wieder in einer Art Aufenthaltsraum mit Couchecke, einer abgetrennten Ecke mit Schreibtisch als Art Rezeption und meterhoch gestapelten Papieren und Zeug (urig gemütlich) und einem Balkon mit Blick auf den Garten, der ziemlich stark an Regenwald erinnert, nur ohne riesige Bäume. Die Zimmer waren Doppelzimmer mit Bad und alle hatten einen Namen und waren dementsprechend gestaltet: Girasoles, Alcatraces, etc. Wir hatten die Wahl zwischen einem Zimmer direkt im Garten und einem Zimmer, zu dem man gelangt, indem man den Balkon nach links überquert. Wir haben uns dann für das Zimmer am Balkon entschieden, dass den Namen Alcatraces trägt, was Lilien bedeuted (ach ja: Girasoles bedeuted Sonnendreher und gemeint sind natürlich die Sonnenblumen. Wobei das spanische Wort weit besser erklärt woher die Sonnenblume ihren Namen hat als es das deutsche tut). Dementsprechend war alles in unserem Zimmer mit Lilien dekoriert: Die Schränke, die Bilder, die Borte der Tapete, im Badezimmer das Waschbecken, die Borte, alles! Aber nicht übertrieben, sondern geschmackvoll und wunderschön! Ich werde mehr Fotos posten :)
Wir sind dann frühabends ein bisschen durch die Stadt gelaufen und haben uns zum Abendessen niedergelassen. Am nächsten Morgen sind wir dann nach dem Aufstehen in die Stadt um ein bisschen zu gucken und uns was zum Frühstücken zu jagen: Zacahuile (=Riesentamales). Das war auch gar nicht so schwer zu finden, Sonntags morgens ist in Xilitla nämlich Markt. Direkt auf der Straße. Cool. Es fing dann natürlich auch wieder an zu regnen oder besser gesagt zu schütten und wir haben uns mampfenderweise untergestellt (sofern man das bei solchem Regen kann).


Den Rest des Tages haben wir dann im Garten des verrückten Engländer verbracht, was einfach nur amazing war: Ein riesengroßer Abenteuerspielplatz mit eigenem Wasserfall, wo man baden kann. So einen Garten will ich auch. IRRE!


Auf dem Rückweg fing es dann an zu regnen und als wir in unserem Hotel ankamen, waren wir tatsächlich nass bis auf die Haut und tropften aus allen Ecken und Enden. Unsere Herbergseltern waren dann so nett, unsere Hosen und Rebozos 'ne Runde in den Trockner zu schmeißen, damit wir für die Busfahrt am nächsten Tag wenigstens einigermaßen trockene Kleidung hatten und uns, damit wir zum Essen gehen konnten, einen Regenschirm zu leihen.


Tja, soweit unsere Erfahrungen zu Xilitla, am nächsten Tag ging es dann zurück nach Cd. Valles und von dort aus weiter nach Tamasopo um dann doch endlich die Puente de Dios zu sehen. Wie gesagt: Allein die Busfahrt war schon ein Erlebnis und das nicht nur, weil die Leute am Straßenrand einen ständig durchs Busfenster angestarrt haben als sei man ein Alien (auch daran gewöhnt man sich mit der Zeit). In Tamasopo haben wir uns dann in Ermangelung von Schirmen zwei Plastiktüten gekauft und uns daraus Regenponchos gebastelt. So ausgestattet ließen wir unser Gepäck am Busbahnhof (wenn man das Ding in Tamasopo so nennen will) und machten uns auf, die Wasserfälle dort anzuschauen. Wiedermal: Beeindruckend! Und es war lustig mit diesen Müllsäcken durch die Gegend zu stapfen :) Auch schön anzuschauen war die überflutete Plantage von Mangobäumen, die schon Früchte trugen. Ein schönes Farbspiel.


Letztendlich sind wir dann aber tatsächlich noch zur Puente de Dios gefahren. Dabei hatten wir echt Glück mit dem Taxifahrer. Und zwar ist es so, dass von Tamasopo aus nur ein Bus nach SLP und das morgens früh. Später gibt es nur noch Busse nach Cd. Valles. Unser Plan war also nach Cd. Valles zu fahren und von dort aus dann nach SLP. Allerdings hat uns unser Taxifahrer, nachdem wir ihm von unserem Plan erzählten, dann mitgeteilt, dass an der Kreuzung von der Hauptstraße nach Tamasopo auch Busse direkt nach SLP halten und der letzte so ca um acht Uhr abends. Also haben wir dann mit ihm ausgemacht, dass er uns bei der Puente de Dios absetzt und uns dort um sieben Uhr abholt um mit uns am Bahnhof vorbeizufahren um unser Gepäck zu holen und uns dann zu dieser Kreuzung fährt. Manchmal muss man halt einfach Glück haben im Leben :) Wir hatten doch noch einige Probleme an der Puente de Dios, da uns die Wächter nicht durchlassen wollten. Nein, zu gefährlich, zu rutschig, ihr seid zu schön um dort unten zu sterben! Kein Witz, so haben sie es ausgedrückt! Naja, letztendlich wollten die beiden sich wohl auch einfach nur ein bisschen Spaß erlauben mit den beiden dummen Europäerinnen.. Jedenfalls sind wir dann doch irgendwann runter und mal wieder: Beeindruckend! Dadurch, dass es die ganze Zeit so stark geregnet hatte, waren die Wasserfälle einfach gigantisch, ein wahres Naturschauspiel.


Wir haben dann als wir wieder oben waren ein Weilchen auf unseren Taxifahrer gewartet, der ja um sieben da sein wollte und haben dann so gegen nach sieben beschlossen uns zu Fuß auf den Rückweg zu machen (mittlerweile hatte es auch wieder angefangen zu regnen, na danke!), damit wir, im Falle, dass er nicht käme, immerhin noch den letzten Bus nach Cd. Valles bekämen. Auf dem Weg haben wir uns dann ein bisschen mit Schimpfen amüsiert. Es macht unglaublich Spaß mit zwei Leuten zu schimpfen und zu meckern, wenn beide wissen, dass er keiner Ernst meint :). Naja, unser Taxifahrer kam uns dann doch noch mit einiger Verspätung auf dem Weg entgegen und zur Strafe haben wir ihm dann ein bisschen sein miefiges Taxi vollgetropft *diabolisches Grinsen*. Letztendlich ist dann auch noch alles glatt gelaufen und wir haben den Bus nach SLP geradenochso erreicht und waren dann so gegen *ich hab keine Ahnung* in SLP. Ein anstrengendes, schönes und sehr, sehr nasses Wochenende.

So, mittlerweile hab ich ca. 1 1/2 Stunden geschrieben, es ist 21.32 Uhr und ich mach mich mal nach Hause. Mein Rad wird wohl noch 'ne Nacht am Institut bleiben müssen, aber auch das ist es ja schön gewöhnt.
Euch allen liebe Grüße und ich meld mich bald wieder,
Jessi

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