Hallo,
wie so oft, sitze ich im Labor, diesmal allerdings nicht im Sol-Gel, sondern im Raman, d.h. in dem Raum, wo das Raman-Mikroskop steht. Momentan bin ich allein, aber ich hoffe, dass Samuel gleich wieder kommt. Der ist gerade in meinem Büro und ruft E-Mails ab und läd Dinge herunter. Er hat nämlich im Netz etwas gefunden, das sich Coffee-Break nennt und was für Spanisch und Französisch existiert. Das sind Spanisch- bzw. Französisch-Lektionen mit der Dauer einer viertel Stunde. Ich hab gestern Lektion Nr. 2 des Französisch-Kurses gehört und es gefällt mir ganz gut. Es ist nicht wirklich viel, wird jedoch gut erklärt. Ich werde mir dies daher auch mal kopieren um mein Französisch mal ein bisschen aufzufrischen bzw. mir auch die spanische Version runterladen.
Ach ja, vielleicht sollte ich erst mal erwähnen: Samuel ist seit Donnerstag hier. Für diejenigen, die es nicht wissen: Samuel ist mein Freund. Er ist Wissenschaftler mit einer Post-Doc-Stelle in Grenoble (Frankreich) und kommt ursprünglich aus Chile. Und er ist derzeit hier um mich für die nächsten drei Wochen zu besuchen. Am Donnerstag nachmittag ist er um 17.40 Uhr in Mexiko-Stadt angekommen, wo ich ihn vom Flughafen abgeholt hab. Ich hatte den Bus vormittags von SLP genommen und war dann gegen Nachmittag, so gegen 15 Uhr in Mexiko-Stadt am Central Norte. Da die Fahrt mit der Metro vom Hostal zum Flughafen ca. 50 Minuten benötigt, hatte ich auch keine Zeit mehr, dorthinzufahren und mich schonmal um ein Zimmer zu kümmern. Allerdings hatte ich morgens schon angerufen und man hatte mir gesagt, dass noch genügend Zimmer frei seien. Also hab ich mir darum auch nicht so viele Gedanken gemacht.
Nachdem dann also der Stadtplan zu Rate gezogen war, beschloss ich, mir die Iglesia de Nuestra Senora de Guadalupe anzuschauen, die größte Wallfahrtskirche des Landes. Das klang im Reiseführer recht interessant und es ist vor allem relativ nah zum Central Norte bzw. zum Flughafen (die beiden verbindet eine U-Bahn-Linie, die gelbe, ich glaube, dass ist die 5). Also dann in die Metro und auf zur Iglesia. Und ich muss sagen: Sie ist tatsächlich beeindruckend. Nachdem man von der Metrostation aus an den ganzen Straßenständen mit Souvenirs religiöser Art vorbeigegangen ist, geht man eine Treppe rauf und steht auf einem riesigen Platz. Links befindet sich dann die neue Kirche, vor einem die alte, noch weitere Gebäude und ganz links eine riesige Sonnenuhr.
Die alte Kirche ist nicht sonderlich interessant, vor allem, da sie gerade renoviert wird und ihr Inneres daher hauptsächlich aus Baugerüst besteht. Aber die neue ist durchaus beeindruckend. Sie hat die Form eines Zelts und erinnert mich daher sehr stark ans Expo-Zelt auch im Allgemeinen bzgl. ihrer Architektur.
Allerdings soll die Kirche kein Zelt, sondern einen Mantel darstellen, nämlich den Mantel des Menschen, dem die Jungfrau von Guadalupe erschien. Ihr Inneres ist auch sehr beeindruckend: relativ modern und hübsch und einfach RIESIG. Und verrückt: Über dem Altar hängt eben dieser Mantel. Wenn man am Altar vorbeigeht und eine Rampe runter kommt man raus unter dem Mantel und ... man mag es in einer Kirche kaum glauben ... trifft auf vier Laufbänder, zwei für jede Richtung, jeweils ca. vier Meter lang, die einem an dem Mantel vorbeifahren. Ist das nicht verrückt? Und ich hab mal wieder festgestellt, dass die Musik in mexikanischen Kirchen wesentlich besser ist als in deutschen.
Was gibt es noch? Ein Statue von Johannes Paul II, ein Papamobil, einige Statuen und noch etwas, was ich leider nicht mehr gesehen hab, da es schon spät war und ich zum Flughafen musste. Auf dem Rückweg hab ich dann noch eine Umhänge-Tasche gekauft. Rucksäcke mögen zwar besser für den Rücken sein, aber um Fotoausrüstung zu verstauen und vor allem zu benutzen sind sie doch etwas unpraktisch. Mit einer Umhängetasche hat man da die Kamera doch eher im Griff. Und dann bin ich zum Flughafen gefahren und war bannig zu spät. Ich vergesse einfach immer wieder, wie viel Zeit man in Mexikostadt zum U-Bahn-Fahren braucht.
So weit, so gut, am Flughafen hab ich dann Samuel aufgelesen und wir sind mit dem Taxi zum Hostal gefahren, da wir mit der U-Bahn nicht mehr rechtzeitig zum Abendessen da gewesen wären. Diesmal gab es im Hostal keinen Platz mehr in 8-Bett-Zimmern, daher gab’s halt ein 6-Bett-Zimmer, was wir dann aber für uns allein hatten. Nach dem Abendessen haben wir Pläne für den nächsten Tag gemacht (was dann der Samstag war) sind wir nochmal los um Shampoo zu kaufen, das es aber nirgendwo gab (die einzigen Läden, die um diese Zeit noch geöffnet sind, sind 7 eleven und die verkaufen kein Shampoo). Und dann haben wir uns spontan ein Taxi genommen und sind zum Plaza Garibaldi gefahren um dort Pulque zu trinken (ich verrat euch auch nicht, wessen Idee das war J ). Allerdings war es schon so spät, dass es den Pulque nur zum Mitnehmen gab und auch nur noch in Erdbeer und Ananas. Nachdem wir beide probiert hatten, haben wir uns für 2 Becher Ananaspulque entschieden und haben die dann mitgenommen und haben uns auf den Plaza Garibaldi gesetzt und haben den Mariachis zugehört, wie sie für andere gespielt haben. Das war schön.
Am Freitag sind wir aufgestanden (Samuel hat sich ein bisschen darüber moquiert, dass ich mit der Wasserflasche im Arm geschlafen hab) und haben gefrühstückt. Endlich hab ich es auch mal geschafft, Digitalbilder von der Dachterasse und von der Dachterasse aus zu machen. Und dann haben wir uns losgemacht, natürlich später als erwartet.
Blick von der Dachterasse des Hostals aus
Aber ich wollte ja von Mexiko-Stadt berichten. Eigentlich war unser Plan, in den Zoo zu gehen und dann eventuell noch ins Museum of Modern Art, wo es momentan eine Ausstellung über die Geschichte Mexikos gibt. Danach wollten wir um 16 Uhr ins Puppentheater (ja, ,ja, ich geb’s zu, das war meine Idee), in ‚La vaca, que queria volar’, zu deutsch ‚Die Kuh, die fliegen wollte’ und danach eventuell noch ins Theater. Und dann wollten wir noch auf den Torre Latinoamerikano. Nun ja, soviel zu unseren Plänen. Als wir endlich aus dem Hostal loskamen, war es schon relativ spät. Dann waren wir als erstes auf der Bank, Reiseschecks tauschen und ich weiß nicht, ob ich das schon bei meinem Bericht über die Reise mit Johanna erwähnt hatte, aber jedenfalls dauert Reiseschecks tauschen auf der Bank in Mexiko-Stadt LANGE.
So, jetzt hab ich nach 10 Minuten endlich gefunden, wie man bei diesem Laptop die Tastaturbeleuchtung anschaltet. Hiphiphurra. Das macht das Schreiben in diesem stockdusteren Raum doch schon wesentlich angenehmer. Aber zurück zum Thema:
Nachdem wir dann endlich auf der Bank fertig waren, waren wir noch im Bodyshop, und dann sind wir an der Pasteleria Ideal vorbeigekommen, die in meinem Reiseführer als ‚süßes Inferno’ bezeichnet wird. Nachzuvollziehen ist diese Bezeichnung. Dort gibt es jede Menge Leckereien, und einen Verkaufsstand für Plätzchen. Wohlgemerkt Weihnachtsplätzchen, aber die essen Mexikaner das ganze Jahr über.
Ich war ja schon beim ersten Aufenthalt mit Johanna da, aber Samuel noch nicht. Und da musste ich ihn natürlich mal mithinnehmen und ihm die Tortenausstellung im ersten Stock zeigen. Die ist schon wirklich irre. Die höchste Torte hatte soweit ich mich nicht verzählt habe, 11 Stockwerke und war geschätzte
Jessi beim Hochzeitstorte aussuchen
Eigentlich wollten wir ja dann endlich in den Zoo, hab allerdings auf dem Weg dorthin noch in einem CD/DVD-Laden Halt gemacht und dann spontan beschlossen, wir könnten ja mal im Plaza de Tecnologia vorbeischauen. Das haben wir dann auch gemacht, haben auf dem Weg dorthin noch in einem anderen Technik-Laden halt gemacht (ich überlege echt, ob ich mir hier ein neues Handy kaufe, mir gefällt das, was Samuel hat, ja ganz gut und es hat eine Kamera und vor allem einen MP3-Spieler) und außerdem noch in einer Churreria. Dort gab es heißen Kaffee oder Kakao und dazu Churros, die sie dort auch direkt selbst produzieren und man kann ihnen aus dem Cafe oder von der Straße aus dabei zugucken (der nette Herr hat sogar freundlicherweise für mein Foto posiert). Den Kakao und die Churros haben wir dann mitgenommen und uns etwas weiter weg auf einen Bürgersteigvorsprung gesetzt und eben jene (noch warmen) Churros vertilgt. Yummi.
Der nette Herr mit den Churros
Und danach waren wir im Plaza de Tecnologia und haben ein bisschen geguckt. Samuel generell und ich nach einem MP3-Player (Ich will einen IPod Nano!), nach einem Headset (da ich meins exakt zuvor zerbrochen hab) und nach einer Webcam. Die Webcam hab ich dann letzenendes sogar bekommen. Die Schwierigkeit dabei war nämlich, dass mein Laptop nicht wie die meisten anderen einen breiten, flachen Bildschirmrand hat, sondern einen ganz schmalen, dafür aber mit Vorsprung und daran kann man die meisten Webcams leider nicht befestigen, warum ich auch Ruthais Webcam nicht mitgenommen hab. Aber letztenendes hab ich jetzt doch eine gefunden, die man ich alle möglichen Richtungen verstellen kann und die tatsächlich auch auf meinen Laptop passt, d.h. wir können jetzt Videoskypen. Also, wer Lust hat... Ein Headset hab ich leider keins gefunden. Ich möchte ja ein schnurloses, damit ich zu Hause skypen kann und dabei durch die Wohnung laufen. Allerdings haben wir genau 2 schnurlose Headsets gefunden: Nummer 1 ist von Microsoft, hat nur eine Seite (so ein ganz kleines, das man sich hinter ein Ohr klemmt) und kostet ca. 30 Euro. Dabei stört mich allerdings vor allem, dass es nur für ein Ohr ist. Nummer 2 ist einfach supergenial, ist wie ein Kopfhörer, richtig schön groß und mit gepolsterten Ohren und allem möglichen Schnickschnack wie Lautstärkereglung direkt am Kopfhörer und hat nur einen Nachteil: Es kostet ca. 60 Euro in Mexiko-Stadt und immernoch (sofern sich Samuel gestern hier nicht verguckt hat) 45 Euro hier in SLP. Und ich weiß wirklich noch nicht, ob ich soviel Geld für ein Headset ausgeben will. Obwohl mich das Headset ja schon reizt... Reichweite
Naja, wie ihr euch nach dem ganzen Geschreibsel wahrscheinlich schon gedacht habt, war dann auch nicht mehr allzu viel mit dem Rest unserer Pläne. Wir sind dann noch ein bisschen darum gelaufen (endlich hab ich bei einem Straßenstand den ersten Band Harry Potter und ‚Veronika beschließt zu sterben’ von Paulo Coelo auf spanisch erstehen können (Harry Potter hab ich jetzt 3 mal gelesen: auf deutsch, englisch und spanisch)), waren beim Chinesen essen (wiedermal musste ich feststellen, dass das chinesische Essen in Mexiko wesentlich besser ist als in Deutschland) und waren dann wenigstens noch auf dem Torre Latinoamerikano. Leider waren wir zu spät für den Sonnenuntergang und noch leiderer regnete es, was hieß, dass die Aussichtsplattform im Freien gesperrt war und man nur in den höchsten geschlossenen Stock hoch konnte. Aber schön war es trotzdem: Mexiko-Stadt bei Dunkelheit von so weit oben ist sehr beeindruckend. Millionen und Abermillionen von Lichtern... Irre.
Vom Plaza Garibaldi aus haben wir dann ein Taxi genommen. Der erste, den wir fragten, wollte 70 (!!!) Pesos haben vom Plaza zum Hostal. Den Abend vorher hatten wir 20 bezahlt. Krass. Der nächste wollte dann 20 und das war okay. Als ich dann fragte, wieviel er bis zum Hostal und von dort zum Central Norte wolle, meinte er 70 und das ist ein durchaus guter Preis, normalerweise bezahlen wir vom Hostal zum Central Norte schon 120. Das haben wir dann also gemacht, sind nur schnell beim Hostal raus um unser Gepäck zu holen und sind dann weiter zum Central Norte. Dort hatten wir Glück und der nächste Bus nach SLP sollte kurz darauf abfahren. Allerdings gab es nur noch 2 Plätze getrennt voneinander. Egal. Und dort ist uns dann etwas passiert, was in der Hitliste meiner unglaublichen Geschichten aus diesem Land durchaus einen der Spitzenplätze einnimmt. Ich weiß nicht mehr genau, welchen Platz Samuel hatte, aber ich hatte Sitzplatz 34. Das an sich mag ja noch nicht ungewöhnlich sein, schließlich ist 34 auch nur eine Nummer unter vielen. Als wir dann jedoch in den Bus stiegen und den Gang entlanggingen, erschien dieser mir bereits recht kurz für so viele Plätze. Und tatsächlich: Mein Gefühl hatte mich nicht getrogen: Der letzte verfügbare Platz trug die Nummer 32. Und danach kam die Toilette. Mhm, ... Da hatten sie uns ein Ticket für Sitzplatz 34 verkauft, obwol der Bus nur 32 Sitzplätze hatte. Und das ganze mit Computersystem. Das weckt doch Vertrauen in die Technik. Naja, es stellte sich dann heraus, dass wir einen anderen Platz nehmen konnten und der Herr auf dem Nachbarsitz war auch so freundlich, mit uns zu tauschen, so dass wir dann zusammen sitzen konnten. Und dann kamen wir morgens so gegen fünf Uhr in SLP an und sind zu meinem Haus gefahren und haben uns ’ne Runde zum schlafen hingelegt. Und das ist die Geschichte von unserem Trip nach DF. Und von unserem Familienfestwochenende erzähl ich im nächsten Post.
Liebe Grüße nach viel zu Lesen,
eure Jessi
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